Gedanken nach der Sommerakademie Exploring Economics

Die letzte Woche habe ich auf der Sommerakademie Exploring Economics verbracht. Diese wurde organisiert vom Netzwerk Plurale Ökonomik. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Studenteninitiativen im deutschsprachigen Raum, die sich für eine Reform der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre einsetzen. Bei der Sommerakademie gab es verschiedene Workshops, in denen wirtschaftliche Fragestellungen aus alternativen Perspektiven behandelt wurden. Die Hauptkritik liegt darin, dass an Universitäten vor allem Inhalte aus der Perspektive der neoklassischen Theorieschule gelehrt werden. Bei dieser wird häufig von einem perfekt rationalen Homo-Oeconomicus ausgegangen, Märkte werden oft als effizient angenommen und sie bedient sich bestimmter mathematischer Methodik (vor allem der Optimierung). Dabei ist weniger die Neoklassik an sich problematisch, sondern die Tatsache, dass andere Theorieschulen nur in den seltensten Fällen gelehrt werden.

Ich will hier kurz ein paar Gedanken und Ideen aufschreiben, die ich aus dieser Woche mitgenommen habe. Dabei handelt es sich bei dem Text mehr um eine zusammenhanglose Sammlung meiner Gedanken zu verschiedenen Vorlesungen und Gesprächen. Kritische Gedanken sollen keinesfalls als Kritik an der Veranstaltung an sich gemeint sein, welche brillant organisiert war und unglaublich wichtig ist.

Die Perspektive des globalen Südens ist unterrepräsentiert

Dies gilt nicht spezifisch für dieses Event, sondern auch für die wirtschaftswissenschaftliche Forschung im Allgemeinen. So werden zum Beispiel die Auswirkungen des Kolonialismus in vielen historischen Fragestellungen völlig vernachlässigt. Marx z.B. hat sich zwar gegen die Ausbeutung von Arbeitern eingesetzt, gleichzeitig aber den Kolonialismus legitimiert. Auch wird Kolonialismus in der Wirtschaftsgeschichte kaum berücksichtigt. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass dies in der Zukunft stärker in die Debatte eingeht.

Bisher hatte ich außerdem meine Probleme mit dem Degrowth-Ansatz. Dieser vertritt die Ansicht, dass wir, vereinfacht gesagt, wirtschaftliches Wachstum stoppen sollten. Diese Aussage hört sich zunächst einmal gut an. Allerdings habe ich bisher keine überzeugenden Argumente gehört, wie wir ohne wirtschaftliches Wachstum die Menschen des globalen Südens auf ein akzeptables Lebensniveau bringen könnten, und zwar schnell. Der Grenznutzen von steigendem Pro-Kopf-Einkommen ist abnehmend, aber hat bis zu einer bestimmten Höhe einen wünschenswerten Effekt auf Faktoren wie: Lebenserwartung, Mutter- und Kindessterblichkeit und der Geburtenrate. Korrelation bedeutet zwar nicht Kausalität, aber dennoch ist es für mich durchaus plausibel, dass ein höheres Einkommen das Leben vieler Menschen zunächst nachhaltig verbessern würde. Jedenfalls gibt es keine ethisch akzeptable Begründung, warum das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in der Demokratischen Republik Kongo bei unter 500 US$ im Jahr bleiben sollte. Viele Degrowth-Anhängerinnen schlagen vor, dass die Länder des globalen Südens alternative Lebensweisen finden, die auf „traditionellen“ Lebensphilosophien basieren. Ich sehe bei dem Ansatz eine gewisse Romantisierung „traditioneller“ Lebensweisen. Oft handelt es sich dabei nämlich einfach nur um Armut. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen, wenn sie die Wahl hätten, den Luxus westlicher Städte vorziehen würden. Selbst wenn wir sagen würden, dass wir das Wachstum und den Konsum nur in den reichen Ländern des Nordens stoppen, dann würden wir die Länder des Südens trotzdem zu einem gewissen Teil ihres Wachstumspotenzials berauben, da sie teilweise auf unsere Nachfrage angewiesen sind.

Zudem ist mir noch nicht klar, wie wir dem Wachstum in reichen Ländern ein Ende setzen können ohne dass  es zu schrecklichen Verteilungskämpfen kommt. Unsere Gesellschaften sind so sehr auf Wachstum und mehr Reichtum ausgerichtet, obwohl sie bereits reich sind, dass es schwer vorstellbar ist, dass wir eine Welt ohne Wachstum einfach hinnehmen könnten. Vielleicht ist die Gier nach Mehr dafür zu tief in unserer kollektiven Psyche verankert. Deswegen wäre zunächst ein fundamentales Umdenken unserer „Zivilisation“ notwendig.  Branko Milanovic schreibt mehr dazu.

Allerdings will ich Degrowth nicht zu Unrecht diskreditieren und werde mich mehr in die Thematik einarbeiten und schauen, ob ich noch befriedigendere Antworten auf diese Fragen finden kann. Ich bin mir aber sicher, dass auch Degrowth-Anhängerinnen die Problematik um die besondere Postion des globalen Südens bewusst ist.

Wachstum kann nicht unendlich weitergehen

Wir haben einen sehr eindrucksvollen Vortrag von Graeme Maxton gehört, dem Generalsekretär des Club of Rome. Dieser hat uns nochmal eindrücklich klar gemacht, dass wir uns momentan über den Grenzen der ökologischen Kapazitäten der Erde bewegen und nur noch sehr wenig Zeit haben, um das Schlimmste zu verhindern. Wenn wir nicht in den nächsten zwei Jahrzehnten aus fossilen Brennstoffen aussteigen, ist die Abwendung einer größeren Katastrophe kaum möglich. Der Club of Rome geht davon aus, dass das gesamte System um das Jahr 2030 beginnen wird vollständig zu kollabieren. Dieser Kollaps wird, anders als man sich ihn oft vorstellt, eher ein langsamer, aber stetiger Verfall sein, der durch zahlreiche Verteilungskämpfe begleitet sein wird. Es muss eine Alternative zum aktuellen System gefunden werden, in dem die Wirtschaft von den negativen Umwelteffekten entkoppelt wird. Allerdings zeigt die Empirie, dass dies bisher kaum möglich war. Unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Modell muss sich also grundlegend ändern, um diese Herausforderungen zu meistern.

Allerdings denke ich, dass eine Hinwendung zu Autoritarismus und Top-Down-Lösungen nicht die richtigen Antworten auf Probleme des 21. Jahrhunderts sind. Warum sollten wir genau denen mehr Macht geben, die uns die Probleme eingebrockt haben. Erfolgreiche gesellschaftliche Veränderungen entstehen meist durch eine gemeinsame Koordination zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen und entsprechender Gesetzgebung. Ich glaube, dass eine solche Koordination nur in einer Demokratie möglich ist. Zwar hat sich in den letzten Jahren China als zentraler Akteur in der Finanzierung grüner Technologien gezeigt, allerdings ist nicht zu unterschätzen, dass auch dies oft durch den Willen zum Machterhalt motiviert ist. So hat die kommunistische Partei in China erkannt, dass die mit der ökologischen Verschmutzung verbundene Unzufriedenheit der Bevölkerung eine Gefahr für sie darstellt. Geschichtlich zeigt sich: Demokratien sind meist progressiver, während autoritäre Regime eher konservativ sind und sich meist mit dem eigenen Machterhalt beschäftigen.

Die Wirtschaft ist in die Gesellschaft eingebettet

Wie auch andere menschliche Systeme, ist das wirtschaftliche System in den gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Daher kann der Markt nie als unabhängig von gesellschaftlichen Institutionen agierender Mechanismus verstanden werden. Mir ist bewusst geworden, dass die Wirtschaftswissenschaften viel mehr von anderen gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen lernen können. Vor allem was diffuse und kaum quantifizierbare Konzepte, wie Macht und Klasse angeht. So werden zum Beispiel politische Entscheidungen bezüglich wirtschaftlicher Umverteilung maßgeblich zu Gunsten der Reichsten beeinflusst, da diese starken Einfluss auf die Politik ausüben. Gleichzeitig droht die enorme Zunahme der Vermögensungleichheit in vielen Gesellschaften demokratische Prozesse zu untergraben und die Legitimität der politischen Ordnung zu gefährden. Wirtschaft und Gesellschaft wirken somit wechselseitig aufeinander ein. Das Feld der Political Economy ist daher für mich deutlich wichtiger geworden, da es sich konkret mit solchen Interaktionen beschäftigt. Es besteht hier noch besonderer Forschungsbedarf, was Political Economy in Ländern des globalen Süden angeht. Zum Beispiel wie ethnische Zugehörigkeit und Interessenkonflikte die wirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflussen, indem bestimmte Gruppierungen die Gesetzgebung zu ihren Gunsten beeinflussen. Bisher habe ich noch keine neoklassischen Modelle gesehen, die solche Machtbeziehungen überzeugend berücksichtigen können.

Die Massenmorde durch die Nazis sind unweigerlich mit der Moderne verbunden

Nach einem Besuch in der Gedenkstätte Topf und Söhne ist mir diese Tatsache deutlich klar geworden. Die  Shoa, Porajmos und die gezielte Vernichtung anderer Bevölkerungsgruppen durch die Nazis ist unweigerlich mit dem Zeitgeist der Moderne verwoben. Die Firma Topf und Söhne war ein Erfurter Unternehmen für Industrieöfen, welches die Krematorien für das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und einige Konzentrationslager konstruiert hat. Außerdem haben sie Belüftungssysteme für die Gaskammern gebaut. Dabei ist es nicht so, dass die Firma den Befehl dazu von der SS erhalten hatte. Es war vielmehr so, dass Ingenieure von Topf & Söhne in die Vernichtungslager gefahren sind und freiwillig analysiert haben, wie man den Prozess des industrialisierten Massenmordes optimieren kann. Basierend darauf haben sie dann der SS ein Angebot unterbreitet. Das Schockierende daran ist, dass die Untersuchung der Firmenarchive gezeigt hat, dass die meisten Mitarbeiter und Manager keine besonderen Ideologen waren. Manche der Konstrukteure, die in Auschwitz-Birkenau die Tötungsmaschinerie erbaut haben, waren außerhalb der Arbeitszeit sogar im Widerstand gegen die Nazis. Trotzdem überwog während der Arbeitszeit die „deutsche Arbeitsmoral“, der Kunde erwartet ja schließlich eine ordentliche Arbeitsleistung. Dieser Besuch hat mir gezeigt, dass nicht die ganze Gesellschaft aktiv ideologisiert sein muss, damit eine ganze Gruppe von Menschen als „Untermenschen“ angesehen wird. Es reicht schon, dass der Großteil der Bevölkerung den Ideologen Glauben schenkt. Die damalige Zeit war also von einem misanthropischen Zeitgeist durchzogen. Am schockierendsten war für mich die Tatsache, dass die Hauptmotivation der Firma nicht einmal das reine Gewinnmotiv sein konnte, da diese Produkte nur einen verschwindend geringen Anteil des Gesamtumsatz ausgemacht hat; vielmehr war es so, dass die Firma den Sieg antizipierte und somit eine Ausweitung des Todesmarktes. Für diesen Fall wollte sie vorbereitet sein. „Deutsche Arbeitsmoral“ und „Ingenieursfähigkeit“ bekommen so plötzlich einen ganz anderen Beigeschmack und sind unweigerlich mit diesen Verbrechen verwoben.

Ideengeschichte ist wichtig

Es ist unabdingbar, sich mit den philosophischen Grundannahmen zu beschäftigen, auf denen eine Theorieschule basiert. Wer waren ihre Gründer? In welchem gesellschaftlichen Kontext haben diese ihre Ideen entwickelt? Welches Menschenbild liegt ihnen zu Grunde? Das ist mir klar geworden.

Das gilt natürlich grundsätzlich für alle Wissenschaftsdisziplinen. So finde ich zum Beispiel das Menschenbild, was vielen naturwissenschaftlichen Theorien zugrunde liegt, höchst Zweifelhaft, wonach der Mensch lediglich eine Ansammlung von Molekülen, chemischen Prozessen und elektrischen Impulsen ist. Gerade dieses Menschenbild ist es ja, was durch die Ökonomik Eingang in die Sozialwissenschaften gefunden hat. Daher bleibt bei mir die Frage offen, inwiefern die Ökonomik wirklich einzigartig darin ist, dass gewisse philosophische Grundannahmen als indiskutabel gelten. Außerdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob die Ökonomik wirklich, im Vergleich zu anderen Disziplinen, einen so unverhältnismäßig starken Einfluss auf die Gesellschaft hat. Man denke daran, wie z.B. Samuel P. Huntington’s  Clash of Civilization“, kontemporäres Denken geprägt hat und indirekt zu illegalen Kriegen und unschuldigen Toten beigetragen hat. Oder Bewegungen, wie der durch die Biologie geprägte Sozialdarwinismus des 19. Jahrhunderts, die Massenmörder, wie Adolf Hitler inspiriert haben. Im Explorer des Opensyllabusprojects ist sichtbar, dass die meisten Disziplinen von wenigen großen Werken stark geprägt sind. Keine ist dessen so „schuldig“ wie die Philosophie, die durch einen kleinen Kanon westlicher Werke geprägt ist und somit Konzepte aus dem globalen Süden an die Peripherie drängt.

Abschließend kann ich nur sagen, dass es eine unglaublich bereichernde Woche war. Ich bin den Veranstalterinnen unglaublich dankbar für die Chance teilgenommen haben zu können. Jede wissenschaftliche Disziplin kann durch Kritik nur bereichert werden.

Christian Kabengele

I am a politically interested Blogger, academic and student of economics. I am active in numerous initiatives, which represent minorities in Germany. I write about international relations, politics, economics and philosophy and much more. I am committed to be part of a positive change.

3 thoughts on “Gedanken nach der Sommerakademie Exploring Economics

  • 14. August 2017 at 9:34
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    Ich bin da ganz bei dir, wenn du sagst, dass Perspektiven des globalen Südens nicht wirklich zu Wort kamen (außer vielleicht vereinzelt durch den Vortrag von Friederike Habermann über Ecommony, wo die Zapatistas den Rahmen ihres Arguments bildeten).

    Zu DeGrowth: Das Wachstum in den Industrieländern ist doch schon eher stagnierend und Ausdruck der sehr ungleichen Verteilung der Entlohnung dessen. Verteilungskämpfe sind schon jetzt an der Tagesordnung. Wenn selbst Warren Buffet bedauert, dass es Klassenkampf gibt, dieser derzeit v.a. von den Reichen ausgeht und die Reichen gerade gewinnen… Mit dem Ende der fordistisch-Keynesianischen Wirtschaftsordnung (der Volkswirtschaften des „Westens“) im Laufe der 1970er, dem Ende von Bretton-Woods, etc. haben sich die Machtverhältnisse deutlich hin zu Gunsten des Kapitals verschoben. Letztendlich könnte man im Hinblick auf die jüngste Weltwirtschaftskrise behaupten, dass wir in einer zeitlichen Episode des „privatisierten Keynesianismus“ leben (siehe Collin Crouch). Öffentliche Infrastrukturen und Systeme der Daseinsvorsorge werden der Marktlogik preisgegeben und dienen als Instrumente der Kapitalisierung der globalen Finanzmärkte. Wenn man von einer „kollektiven Psyche von einer Gier nach mehr“ redet, reduziert man die komplexen Sachverhalte auf fast schon deterministische, biologistische Formen der Legitimierung eben dieser Entwicklung.

    Stimme absolut der Analyse von Graeme Maxton zu, lehne aber seine Lösungsansätze wie du strikt ab.

    Man könnte die Neoklassik als eine Subdisziplin der Politischen Ökonomie sehen, da sie durch die Beschäftigung und ernsthaften Auseinandersetzung mit Marx sich wieder für die Klassiker à la Smith, Ricardo und Say berufen hat. Vor Marx galt die Politische Ökonomie als prä-disziplinär, erst danach, mit der marginalen Revolution im späten 19. Jhd. wurde aus „Political Economy“ die scheinbar unpolitische Wissenschaft der „Economics“… Leider wird „Politische Ökonomie“ immer wieder mit Marx verbunden, wo dieser doch eigentlich die Kategorien und Wissenschaft der „Politischen Ökonomie“ als solches überwinden wollte – durch seine „Kritik der Politischen Ökonomie“ a.k.a. „Das Kapital“. Politische Ökonomie zeichnet sich heute wieder durch den inter-disziplinären Ansatz aus, ganz im Gegensatz zur pluralistischen Ökonomik, welche immer noch „Ökonomik“ als eine Art Königsdisziplin ansieht. So kommt es mir jedenfalls vor. Für Pluralismus in der Wirtschaftswissenschaft wird es wirklich Zeit, da sind wir uns einig, bloß find‘ ich, dass sie sich weniger als rein-positive Wissenschaft als viel mehr sich als ein Teil der Sozialwissenschaften verstehen sollte. Die Anmaßung der Ökonomik sich als „Naturwissenschaft“ behaupten zu wollen, ist mehr als lächerlich, wie die jüngste Finanzkrise offenbart hat bzw. wie die multiple Krise(n) des post-Crash zeigen. Ja, Ideengeschichte ist wichtig, – die Anthropologie hat als erste sich mit ihrer eigenen problematischen Vergangenheit beschäftigt (gilt meiner Meinung nach als die radikalste unter den Sozialwissenschaften), die Soziologie ist gleichfalls von ihrer Natur aus kritisch eingestellt (gelten doch Durkheim’s Funktionalismus, Marx‘ Konfliktansatz und Weber’s Interaktionismus als die drei großen Grundsäulen auf dem die Soziologie als Ganzes aufbaut) und die Politikwissenschaft, wo Ideengeschichte quasi konstitutierend ist. Das soll nicht heißen, dass die letzteren beiden Disziplinen nicht genauso mit gegenwärtigen Tendenzen hin zu methodologischem Individualismus à la Public Choice und ähnlich verborten Verständnissen von deduktiven Herangehensweisen geradezu versteinern…

    Zur Thematik des industrialisierten, systemischen Massenmordes, da möchte ich dir ein paar gute Texte Nahe legen… Beispielsweise Zygmunt Bauman’s „Modernity and the Holocaust“, Walter Benjamin’s Aufsatz „Über den Begriff der Geschichte“ sowie Max Horkheimer’s und Theodor Adorno’s „Dialektik der Aufklärung“. Leider sind dies wieder nur weiße, westliche Autoren (jedoch meist kulturelle Juden), und mehr oder weniger im Exil schreibend… Hier noch ein Autor aus Afrika, Achille Mbembe’s „On the Postcolony“ (hab‘ ich leider noch nicht gelesen, aber es geht um Herrschaftsverhältnisse der Gegenwart, soweit ich das der Sekundärliteratur entnehmen kann). Kritik der instrumentellen Vernunft und der Begriff der (De-)Kolonialität (Walter Mignolo) sollten zum Grundkanon der heutigen Sozialwissenschaften gehören.

    Danke für deine gedanklichen Ausführungen und für das Niederschreiben und Teilen!
    Freut mich dich kennengelernt zu haben,

    Alles Gute,
    Alexio

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  • 14. August 2017 at 10:04
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    Tim Jackson („Prosperity without Growth“) macht sich im Zusammenhang mit Degrowth sehr wohl Gedanken um die Unterschiede zwischen „Norden“ und „Süden“ — er erkennt an, dass bis zu einem gewissen Pro-Kopf-Einkommen der Wohlstand und das Leben allein auf materieller Ebene merklich besser werden, und dass man dem globalen Süden genau diese Entwicklung natürlich eröffnen muss. Über diesem Niveau entsteht aber kein weiterer Zuwachs mehr an echtem Wohlstand, und daher sollte der Norden demgegenüber im Grunde quasi sofort mit Degrowth anfangen.

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  • 15. August 2017 at 15:48
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    Sehr gut und eingängig geschrieben. Deine Kritikpunkte finde ich sehr interessant und werde mich weitergehend damit beschäftigen. Hört sich auf jeden Fall nach einer tollen Erfahrung an. Da wäre ich auch gerne dabei gewesen.

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