Rassentheorien: Europäische Aufklärung oder Verklärung?

*Disclaimer: Dieser Text enthält rassistische Sprache“

Mit Beginn massiver Ausbeutung der Kolonien und der unrechtmäßigen Aneignung von Territorien durch europäische Nationen begann auch die Verbreitung und Etablierung der Rassentheorien in Wissenschaft und Kultur. Zufall? Wohl kaum. Im Folgenden werden wir uns anschauen, wer die zentralen Figuren bei der Verbreitung dieser Theorien waren und wie diese heute von der Gesellschaft betrachtet werden.

Einer der einflussreichsten  „Wissenschaftler“ auf dessen Theorien sich weitere Rassentheoretiker in den folgenden Jahrhunderten berufen sollten war Carl von Linné.

Von Linné war der erste Wissenschaftler der behauptete die äußerlichen Merkmale des Menschen seien mit ihren kulturell-mentalen und psychischen Zuständen verknüpft. Er war auch einer der Ersten die die typische Unterteilung des Menschen in 4 primäre „Rassen“ vornahm, die über die folgenden Jahrhunderte weiterverbreitet werden sollte. Die „weißen“ Europäer, die „gelben“ Asiaten, die „roten“ Amerikaner und die „schwarzen“ Afrikaner. So schreibt er jeder der von ihm oben beschriebenen „Rassen“ bestimmte Eigenschaften bezüglich Charakter, Temperament und Sitte zu. Zitat von Linné: „ ..Schilderung seiner Varietäten bezieh sich jetzt sowohl auf Hautfarbe (..) Charakter, Temperament und Geist, als auch auf (…) Kleidung und Sitte.(…)erhält sie dadurch eine deutliche Wertung, ob es das galligte, cholerische Temperament des Amerikaners, der zur Erfindung geschickte, (…) durch Gesetz regierte Europäer, der melancholische(…), Pracht, Hoffart und Geld liebende Asier, oder der Afrikaner mit boshafter, fauler und lässiger Gemütsart ist, der durch Willkür regiert wird“

Von der  so gepriesenen, angeblichen „Objektivität“ und „wissenschaftlichen Präzision“ ist hier recht wenig zu spüren. Trotzdem wurden diese Theorien von Linnés Kollegen in den darauffolgenden Jahrzehnten ohne zu hinterfragen übernommen. So war Winkelmann, der sich an der griechischen Ästhetik orientierte, davon überzeugt das Aussehen und die Wesensart der Menschen sei vom Klima abhängig. Er glaubte, das Klima in Griechenland bringe den perfekten Menschen hervor und je weiter man sich geografisch von diesem Punkt entferne, desto „missgebildeter“ seien die Menschen. So schreibt her: „Die gepletschte Nase der Kalmücken, der Chinesen und andere entlegener Völker(…) ist eine Abweichung: denn sie unterbricht die Einheit der Formen (…)Der aufgeworfene schwülstige Mund, welcher die Mohren mit den Affen in ihrem Lande gemeinsam haben, ist ein überflüssiges Gewächs (…), welches die Hitze des Klimas verursacht“. Heute wird Winkelmann als Urvater der Archäologie gefeiert, es gibt Museen und es werden Preise in seinem Namen verliehen. Er gilt ja schließlich als einer der Verfechter des Renaissance-Humanismus.

Hinzu kommen sollten in späterer Zeit noch „Biologen“ wie der Compte de Buffon, der die äußerlichen Unterschiede der verschiedenen menschlichen „Rassen“ auf die verschiedenen Klimazonen zurückführen wollte. Er schlug ein ernsthaftes „wissenschaftliches Experiment“ vor, in dem er Schwarze Menschen nach Dänemerk umsiedeln wollte, wo sie von der übrigen Bevölkerung isoliert werden sollten, um zu prüfen wie viele Generationen diese brauchen würden um wieder weiß zu werden. So ging er selbstverständlich davon aus, dass der „weiße Mann“ die Norm darstelle und alle Anderen genetische Mutation seien.

Ein weiterer prominenter Vertreter dieser Theorien, der heute als Vater der europäischen Ethik gefeiert wird, war beispielsweise Immanuel Kant. Dieser schreibt : „In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit wohl in der Race der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Theil der amerikanischen Völkerschaften“ Später schreibt er dann noch: „…Die Negers von Afrika haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege…“.

Auch bei Kant ist die Unterteilung in vier „Grundrassen“ sehr präsent, die er im wesentlichen als die“1)Überlegene Rasse der Weißen, 2)die Negerrace , 3) die hunnische (mungalische oder kalmukische) Race, sowie 4) die hinduische oder hindistanische Race „ verordnet. Alle anderen menschlichen „Rassen“ seien aus einer Kreuzung der o.g. entstanden. Voltaire, der auch als einer der Väter der europäischen „Aufklärung“ gefeiert wird schreibt: „…Ihre Kugelaugen, ihre flachgedrückte Nase, ihre schwülstigen Lippen, ihre entstellten Ohren, ihre Kopfform, ja gar bis hin zu ihrer Intelligenz zeigen, dass zwischen Negern und anderen Menschen außerordentliche Unterschiede herrschen. Dies kann nichts mit ihrem Klima zu tun haben, was man daran sieht das Neger und Negerinnen, wenn sie in ein bekömmlicheres Klima gebracht werden, immer noch nichts weiter als Tiere aus sich hervorbringen und das Mulatten nichts weiter als eine Bastard-Rasse aus Weißen und Schwarzen sind.“ Heutzutage gilt Voltaire als einer der meistgelesenen Autoren der „Aufklärung“ und als Humanist. In Frankreich wird das gesamte 18.Jh. das Zeitalter von Voltaire genannt, kein Wunder also, dass die Sklaverei und der Kolonialismus in dieser Zeit besonders bösartig grassierte.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, stark von Immanuel Kant geprägt, schreibt: Der Neger stellt den natürlichen Menschen in seiner ganzen Wildheit und Unbändigkeit dar. […] Es ist nichts an das Menschliche Anklingende in diesem Charakter zu finden.“ Und den afrikanischen Kontinent beschreibt Hegel als „Kinderland, das jenseits des Tages der selbstbewussten Geschichten in die schwarze Farbe der Nacht gehüllt ist. […] Bei den Negern ist […] ist Charakteristische gerade, dass ihr Bewusstsein noch nicht zur Anschauung irgendeiner festen Objektivität gekommen ist“. Rudolf Steiner, der Gründer der Antroposophie, der letztlich auch den Anreiz für die Waldorfpädagogik gab, sagte in einem Vortrag im Jahre 1923: „Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn er in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird das drinnen fortwährend richtig gekocht und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn. (…) Und wir Europäer, wir armen Europäer haben das Denkleben, das im Kopf sitzt. (…) Daher ist Europa immer der Ausgangspunkt für alles dasjenige gewesen, was nun das Menschliche so entwickelt, dass das zur gleichen Zeit mit der Aussenwelt in Beziehung kommt. (…) Wenn die Neger nach dem Westen auswandern, da können sie nicht mehr soviel Licht und Wärme aufnehmen wie in ihrem Afrika. (…) Daher werden sie Kupferrot, werden Indianer. Das kommt davon her, weil sie gezwungen sind, etwas von Licht und Wärme zurückzuwerfen. Das glänzt dann kupferrot. Das können sie nicht aushalten. Daher sterben sie als Indianer im Westen aus, sind wiederum eine untergehende Rasse, sterben an ihrer eigenen Natur, die zuwenig Licht und Wärme bekommt, sterben an dem Irdischen. (…) Die Weissen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln. Daher sind sie auf sich selber angewiesen. Wenn sie auswandern, so nehmen sie die Eigentümlichkeiten der anderen Gegenden etwas an, doch sie gehen, nicht als Rasse, sondern mehr als einzelne Menschen zugrunde. (…) Die weisse Rasse ist die zukünftige, ist die am Geist schaffende Rasse.“

 Diese Liste wäre noch um dutzende Namen bekannter europäischer oder amerikanischer  „Denker“ und „Philosophen“ zu erweitern, von Martin Luther über Montesqieu bis hinzu den Eugenikern der 19.Jh, die sich auf die Theorien Charles Darwins beriefen. Man kann sich also vorstellen, wie das Klima in einer Gesellschaft war, deren berühmteste Denker und Wissenschaftler mit alltäglicher Regelmäßigkeit alle nicht weißen Menschen zu Untermenschen oder gar Tieren erklärte. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieses bereits durch die Reformation angestoßenen sowie durch die Aufklärung befeuerten Ideologien, im 20.Jh in einer Reihe von schrecklichen und menschenverachtenden Genoziden, Massenmorden und Kriegen kulminierte.

Da die europäische Weltanschauung stark von vielen der o.g. Personen geprägt wurde, ist es also kaum verwunderlich, dass sich viel des zu damaliger Zeit etablierten Gedankengutes bis heute gehalten hat. Viele der o.g. Autoren und deren Ideologien werden weiterhin bedenkenlos in Schulen gelesen und gelehrt, sowie zitiert. Nicht nur das, viele von ihnen werden gar geehrt und gewürdigt als „Aufklärer“ und Begründer der europäischen Neuzeit. So wird Kant als Vater der Ethik gefeiert und Linné befindet sich seit 2001 auf der 100er Note der schwedischen Krone. Da ist es leicht ersichtlich, warum das „Deutschsein“ oder auch das „Europäischsein“ immer noch stark mit „Weißsein“ verknüpft ist.

Bild: mendhak, CC BY-SA

Christian Kabengele

I am a politically interested Blogger, academic and student of economics. I am active in numerous initiatives, which represent minorities in Germany. I write about international relations, politics, economics and philosophy and much more. I am committed to be part of a positive change.

2 thoughts on “Rassentheorien: Europäische Aufklärung oder Verklärung?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: